Wellness


Selbsthilfe - Chancen und Grenzen

Gesundheit in Reichweite bringen

Seine Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen, kann unter den realen Begrenzungen des Lebens zu einem schwierigen Unterfangen werden. Denn viele Gesundheitsrisiken sind nun einmal in den modernen Alltag „einzementiert“ und Teil des modernen Lebensstils, den wir ja nicht ohne Grund leben. Folgende Tipps sollen Ihnen helfen, Gesundheit in Ihr persönliches Leben zu integrieren:

Was zählt, ist die Spannweite der eigenen Flügel. Setzen Sie sich Ziele, die zu Ihren Möglichkeiten, Ihrer Person, Ihrem Leben passen. Besser statt: „Ab heute keine Schokolade mehr“, mag sein: „Vor dem Nachschlag kurz nachdenken“. Oder vielleicht sogar: „Vor dem dritten Bier 10 Minuten Pause machen“. Realistische Ziele orientieren sich nicht an der Realität von Gesundheitsratgebern oder Zeitschriften, sondern an Ihrer Realität. Mit anderen Worten: In Sachen Gesundheit zählt nicht, wie wir das Leben gerne hätten, sondern wie unser Leben ist.

Nur was im Alltag ankommt, wirkt. Im Namen der Gesundheit legt man nur zu gerne kurzzeitige Sonderprogramme auf: zwei Wochen Diät, Fastentage oder eine Kur. Aber: Nach wissenschaftlichem Ermessen verpufft der Effekt solcher Sondereinsätze zu 100 %. Das „echte“ Leben, so scheint es, bildet vielmehr Quersummen: Nur was sich langfristig ins Leben einbauen lässt, verändert die Bilanz. Eine Diät funktioniert nur, wenn sie eben keine Diät, also kein besonderes Essen für einen kurzen Zeitraum ist, sondern das Essverhalten dauerhaft verändert. Und mehr Bewegung hält man nur durch, wenn die zusätzlichen Kilometer Teil der täglichen Routine werden. Jeder Millimeter, um den wir den Alltag verändern, ist mehr wert als der Kilometer, den wir uns hier und da abtrotzen.

Wer sich verändern will, braucht andere. Sein Verhalten langfristig zu ändern ist ohne Rückhalt und sozialen Aufwind nicht zu schaffen. Ohne Ansporn, ohne Publikum, ohne Neider und Bewunderer fällt es uns schwerer, durchzuhalten. Wer sich verändern will, muss mit anderen ins Gespräch kommen, Beziehungen stärken, ein soziales Netz knüpfen.

Die „Problemzone“ ist das Gehirn. 90 % der Empfehlungen zur Selbsthilfe bleiben meist wirkungslos – und werden doch geglaubt. Millionen von Frauen quälen sich mit Tinkturen gegen Zellulite – dabei ist sie ein normaler Befund bei Frauen mit mehr als einem halben Millimeter Fettschicht unter der Haut. Weitere Millionen geben Millionen zur Verlangsamung des Alterns aus – aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig. Alle Diäten finden Anhänger, gerne auch als Kombi-Packung: „12 Geheimtipps für gutes Aussehen, guten Sex und 10 kg Gewichtsabnahme“. Wer es mit sich ernst meint, sollte Wundern und „Geheimtipps“ mit Verstand begegnen.

Gesundheit passiert „en passant“ – oder gar nicht. Natürlich wäre es gut für uns, täglich eine halbe Stunde Yoga zu praktizieren, eine halbe Stunde spazieren zu gehen, eine halbe Stunde nach dem Mittagessen auszuruhen und morgens ein paar kalte Güsse zur Abhärtung zu machen. Aber nur die wenigsten haben Zeit, um im Alltag das zu tun, was die Fotomodelle in den Ratgebern vormachen. Gute Vorsätze, die wir nicht „auf dem Weg“, also im Zuge unserer alltäglichen Beschäftigungen, realisieren können, bleiben in aller Regel ein Luftschloss.

Prioritäten setzen. Als der berühmte Bankräuber Sutton vor Gericht gefragt wurde, warum er Bank um Bank ausgeraubt habe, war seine Antwort klar: „Weil dort das Geld ist.“ In Sachen Selbsthilfe sollten wir wie Sutton denken: Klare Ziele setzen, nicht Nebenschauplätze ansteuern. Die wichtigste Priorität mag für den einen das Abspecken sein, für den anderen die Reise nach Paris. Jeder muss seine „Bank“ finden.

Langfristig denken. Gesundheit funktioniert leider nicht wie die Post. Was wir heute tun, kommt nicht morgen an, sondern vielleicht erst in ein paar Jahren. Wer rasch Erfolge sehen will, überlastet sich. Der Entschluss „jetzt mehr für seinen Körper zu tun“ – zu joggen, zu wandern, Rad zu fahren – endet nicht selten mit einem kaputten Knie. Deshalb: langsam beginnen, den Körper mäßig, aber regelmäßig belasten. Muskeln wachsen langsam und neue Bewegungsabläufe werden erst nach Monaten und Jahren flüssig.

Selbsthilfe bei Fieber

Fieber (Pyrexie) hat einen schlechten Ruf. Das ist verständlich: Fieber zeigt einen körperlichen Ausnahmezustand an und ist nicht gerade angenehm. Dessen ungeachtet hat Fieber auch positive Auswirkungen: Es ist davon auszugehen, dass Fieber die Abwehr des Körpers anfacht und Selbstheilungskräfte unterstützt.

Variable Körpertemperatur

Während die Hauttemperatur des Menschen z. B. je nach Umgebungstemperatur sehr unterschiedlich sein kann, liegt die Körperkerntemperatur recht konstant im Bereich von etwa 37 °C. Dafür sorgt das Temperaturzentrum im Gehirn, das vergleichbar dem Thermostat einer Heizung besagte „Solltemperatur“ vorgibt.

Gewisse Schwankungen sind aber normal. So ist die Körpertemperatur morgens am niedrigsten und erreicht am späten Nachmittag ihr Maximum. Beim Erwachsenen schwankt die normale Körpertemperatur im Tagesverlauf um etwa ein Grad. Jeder Mensch hat dabei eine etwas andere „Betriebstemperatur“: 36,0 °C am Morgen sind deshalb je nach „Typ“ ebenso normal wie 38,0 °C am späten Nachmittag (diese Temperaturen geben jeweils den im After, also rektal gemessenen Wert wieder, im Mund sind die Temperaturen um etwa 0,5 °C niedriger). Nur bei Kleinkindern ist der Tagesrhythmus geringer ausgeprägt – die normale Körpertemperatur schwankt hier nur um etwa 0,5 °C.

Bei Frauen kommen weitere Temperaturschwankungen hinzu: In der zweiten Zyklushälfte (nach dem Eisprung) erhöht sich die Körpertemperatur um etwa 0,3 °C. Die regelmäßige Messung der Temperatur kann zur Empfängnisverhütung genutzt werden (Basaltemperaturmethode).

Viele Menschen gehen von einem starren Normwert der Körpertemperatur von meist 37 °C aus und diagnostizieren bei sich selbst „Untertemperatur“, wenn sie einmal weniger messen. Eine derartige „Untertemperatur“ ist unbedenklich. Auch sind die Schwankungen im Tagesverlauf sehr individuell und zudem vom Messort abhängig. So geben medizinische Lehrbücher als normal an:

  • Axillär (Achsel): 34,7 °C–37,5 °C
  • Oral (Mund): 35,5 °C–37,5 °C
  • Rektal (After): 36,6 °C–38,0 °C
  • Aurikulär (im Ohr, d. h. am Trommelfell): 35,8 °C–38,0 °C

Ab wann besteht Fieber? Meist wird eine Erhöhung der rektal gemessenen Körpertemperatur auf 38,5 °C oder mehr Fieber genannt. In der Grauzone zwischen 38,0 °C und 38,5 °C sprechen manche Ärzte auch von erhöhter oder subfebriler Temperatur. Beim Säugling und Kleinkind liegt die „Fiebergrenze“ tiefer, hier sind schon Temperaturen über 38 °C als Fieber anzusehen.

Wodurch entsteht Fieber?

Fieber wird durch Botenstoffe des Immunsystems ausgelöst, die immer dann abgegeben werden, wenn der Körper mit Entzündungen zu kämpfen hat. Solche Entzündungen entstehen meist durch Infektionserreger (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten), manchmal aber auch durch Autoimmunprozesse oder durch andere Abwehrvorgänge, etwa bei Krebserkrankungen oder nach Operationen. Selten entsteht Fieber auch bei allergischen Reaktionen, als Nebenwirkung von Medikamenten oder bei einer Schilddrüsenüberfunktion.

Durch Entzündungsvorgänge wird der Temperatursollwert im Gehirn angehoben. Der Körper bemüht sich nun, die neue „Vorgabe“ zu erreichen – kühle Haut, Frieren und Zittern bis zum Schüttelfrost sind die bekannten Zeichen dieses Fieberanstiegs.

Vom Fieber zu unterscheiden ist die Überhitzung (Hyperthermie) durch eine zu starke Hitzezufuhr von außen: Das kann bei der Hitzeerschöpfung bzw. dem Sonnenstich vorkommen, oder auch bei manchen – sehr seltenen – Erkrankungen des Stoffwechsels im Muskel. Bei letzteren, auch als maligne Hyperthermien bezeichneten Formen entgleist bei erblich vorbelasteten Menschen der Stoffwechsel in der Muskulatur nach Gabe bestimmter Narkosemittel. Die Muskulatur bildet dadurch extrem viel Wärme – die Körpertemperatur kann dann bis über 44 °C ansteigen.

Folgen des Fiebers

Als Folge des Fiebers wird der Stoffwechsel hochgefahren. Der Körper verbraucht dadurch mehr Sauerstoff und setzt mehr Wasser um. Gleichzeitig werden die Gehirnzellen reizbarer, was sich z. B. durch aktivere Träume bis hin zu Tagträumen und Halluzinationen äußert, dem so genannten Fieberdelir. Die erhöhte Reizbarkeit des Gehirns kann bei Epileptikern Krampfanfälle begünstigen. Bei unter 5-Jährigen können – gutartige – Fieberkrämpfe auftreten.

Auch wenn wir manchmal Sorge haben, im Fieber zu „verglühen – im Gegensatz zur Überhitzung kommt eine gefährliche oder gar tödliche Überwärmung oder bleibende Schädigung beim infektionsbedingten Fieber praktisch nicht vor. Das durch Entzündungen bedingte Fieber steigt praktisch nie über 41,5 °C – höhere Temperaturen gibt es nur bei einigen, sehr seltenen Erkrankungen (z. B. beim Reye-Syndrom, schweren Hirnentzündungen und bei Tetanus).

Je höher desto schlimmer?

Oft wird vermutet, eine Krankheit sei umso gefährlicher, je höher das Fieber ist. Dies stimmt bei manchen Erkrankungen: So zeigt hohes Fieber bei einem Harnwegsinfekt oft eine Mitbeteiligung des Nierenbeckens oder des Nierengewebes an. Andererseits: Manch relativ harmlose Erkältung geht mit hohem Fieber einher, während andere, weit gefährlichere Infektionen (z. B. manche Formen der Hirnhautentzündung) zu vergleichsweise mildem Fieber führen. Sehr schwer verlaufende Infektionen wie etwa die Sepsis (Blutvergiftung) gehen manchmal sogar mit normalen Temperaturen oder Untertemperatur einher.

Fieber – nützlich oder schädlich?

Schon längere Zeit ist bekannt, dass Teile des Immunsystems bei erhöhten Temperaturen schneller arbeiten. So werden z. B. bei Fieber mehr Abwehrstoffe produziert. Auch nimmt die Aggressivität mancher Krankheitserreger (die Virulenz) bei höheren Temperaturen ab.

Auch das folgende Experiment deutet auf einen möglichen Nutzen des Fiebers hin: Wenn Eidechsen künstlich infiziert werden (etwa indem ihnen Erreger in den Körper gespritzt werden), suchen sie instinktiv sonnige Plätze auf – die wechselwarmen Tiere erhöhen dadurch ihre Körpertemperatur um mehrere Grade. Wenn man nun einen Teil der Tiere daran hindert, den Schatten zu verlassen, so zeigen diese eine höhere Sterblichkeit als jene, die sich zu sonnigen Plätzen bewegen konnten. Zumindest bei Reptilien hat „Fieber“ also eine eindeutig krankheitsbekämpfende Funktion.

Außerdem zeigen Experimente bei der Grippe (Influenza): die Krankheitsdauer ist um durchschnittlich drei Tage kürzer, wenn auf eine fiebersenkende Behandlung verzichtet wird. Ob dies auch für andere Infektionskrankheiten gilt, ist nicht sicher.

Wir gehen davon aus, dass sich der Körper die mit dem Fieber verbundene zusätzliche Arbeit nicht umsonst abverlangt und Fieber in aller Regel die Immunabwehr unterstützt. Bedrohlich ist meist nicht das Fieber, sondern die Krankheit, die der Körper durch Fieber bekämpft!

Wann zum Arzt?

Entscheidender als die Höhe des Fiebers ist der Zustand des Fiebernden. Hier gelten die Regeln:

  • Hochschwangere, geschwächte oder schon vorher kranke Menschen sollten frühzeitig zum Arzt.
  • Wenn unklar ist, was das Fieber verursacht oder wenn besorgniserregende Krankheitszeichen vorliegen (wie etwa Hautblutungen), ist ein Arztbesuch angezeigt.
  • Das gilt auch bei immer wiederkehrendem Fieber oder wenn Fieber nach einer fieberfreien Zeit von wenigen Tagen oder gar trotz Behandlung wiederholt auftritt.
  • Auch bei fieberbedingten Komplikationen – etwa Fieberdelir oder Austrocknung – ist ein Arzt hinzuzuziehen.
  • Säuglinge unter sechs Monaten mit Fieber (d. h. einer Körpertemperatur von über 38,0 °C) sollten vom Kinderarzt untersucht werden. Ältere Säuglinge sollten bei Temperaturen über 38,5 °C und Kleinkinder bei über 39 °C zum Kinderarzt, wenn sich keine Ursache, wie etwa eine Erkältung, feststellen lässt.

Was tun bei Fieber?

Weil wir davon ausgehen, dass Fieber den Heilungsverlauf unterstützt, raten wir nicht zur Fiebersenkung in jedem Fall. In vielen Fällen können schon einfache Maßnahmen Linderung verschaffen und dem Körper helfen, mit der erhöhten Temperatur besser zurechtzukommen:

  • Ruhepausen: ob nur auf der Couch oder als strikte Bettruhe.
  • Kleidung: Luftige, atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle und eine Jacke, die je nach Bedarf aus- oder angezogen werden kann.
  • Nahrung: Leichte Kost entlastet den Kreislauf, z. B. gedämpftes Gemüse oder eine leichte Suppe.
  • Flüssigkeit: Pro Grad Temperaturerhöhung benötigt der Körper zusätzlich einen Liter Flüssigkeit am Tag. Also: immer wieder zu einem Glas Wasser greifen, geeignet sind auch Tee oder verdünnte Fruchtsäfte. Oft werden im Fieberanstieg (man „fühlt sich kalt“) warme oder heiße Getränke bevorzugt, ansonsten sind kühle (jedoch nicht eisgekühlte) Getränke die richtige Wahl. Sie trinken dann genug, wenn Sie in etwa so viel Wasser lassen wie an gesunden Tagen.

Weil gerade ältere Menschen bei Fieber viel schlafen, ist die Gefahr der Austrocknung erhöht. Hier muss oft ans Trinken erinnert oder in den Wachphasen in regelmäßigen Abständen etwas zu trinken gereicht werden – auch die damit verbundene Zuwendung tut gut.

Wann das Fieber senken?

Wenn das Fieber den Körper über Gebühr strapaziert, ist Fiebersenkung angezeigt. Dies gilt dann, wenn:

  • Der Fiebernde mit dem Trinken nicht mehr nachkommt und eine Austrocknung zu befürchten ist.
  • Der Fiebernde ein Fieberdelir hat, also halluziniert und desorientiert ist.
  • Der Fiebernde schon vorher geschwächt ist, z. B. durch eine Herzschwäche oder eine chronische Lungenerkrankung wie ein Lungenemphysem.
  • Epilepsie vorliegt (hier wird am besten der Arzt befragt).
  • Man „richtig leidet“ oder Schmerzen hat, wie etwa Kopfweh. Ein Fiebermittel (das gleichzeitig auch ein Schmerzmittel ist) kann dann z. B. zu besserem Schlaf verhelfen.
  • Der Fiebernde sich nicht krank melden will oder kann (z. B. auf Dienstreise) oder die Familie weiterversorgt werden muss.

Wie das Fieber senken?

Oft hilft es schon, sich leichter anzuziehen oder nur dünn zuzudecken.

Auch nasse Wickel wie etwa Wadenwickel oder Waschungen können Wärme ableiten, dasselbe gilt für ein lauwarmes Bad.

Allerdings ist die Wirkung einer solchen „Kühlung von außen“ von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt vor allem vom Fieberstadium ab: So ist die Hautdurchblutung in der Phase des Fieberanstiegs gering (was Sie an kalten Händen und kalten Füßen merken) – auf die Haut aufgelegte kalte Wickel können jetzt keine Wärme „aufgreifen“, sie sind also fast wirkungslos. Nur wenn man „glüht“, sind äußere Anwendungen sinnvoll. Die Wickel dürfen dabei aber nicht zu kalt sein, da sonst die Hautdurchblutung von außen vermindert wird (Kälte sorgt für eine Verengung der Blutgefäße) – die Hitze des Körpers kann dann ebenfalls nicht nach außen abgeleitet werden.

Sondertext: Medikamente zur Fiebersenkung

Maßnahmen der Naturheilkunde

Die traditionelle Phytotherapie nennt als pflanzlichen Wirkstoff mit fiebersenkender Wirkung die Weidenrinde (Rinde der Silberweide Salix) – die darin enthaltenen Salicylate wirken wie „natürliches Aspirin“: Einen Teelöffel Rinde mit ¼ Liter kaltem Wasser sehr langsam bis zum Kochen erhitzen, dann fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und schluckweise trinken.

Eine schweißtreibende Wirkung wird Holunderblüten und Lindenblüten zugeschrieben. Wer an Vitamin C glaubt, ist mit natürlichen Quellen wie Südfrüchten, Kirschsaft und Rote-Bete-Saft, die sich gut zum Mischen mit Wasser eignen, besser beraten als mit Vitaminpräparaten.

Hoch dosiertes Vitamin C wird immer wieder bei Fieber zur Abwehrsteigerung empfohlen, eine positive Wirkung lässt sich wissenschaftlich aber zumindest bei Erkältungskrankheiten nicht belegen.

Fieber messen

Allgemeines zum Fieber

„Muss“ man bei jeder Erkältung die Temperatur messen? Nicht unbedingt. Zum einen erkennen die meisten von uns auch ohne Messung, wenn sie fiebern. Zum anderen ist die Höhe des Fiebers kein gutes Maß dafür, wie schwer eine Krankheit ist. Dennoch kann die Messung manchmal bei der Beurteilung des Krankheitsverlaufs helfen, etwa

  • Wenn der Arzt die Messung empfiehlt – z. B. um das „Anschlagen“ einer Therapie besser beurteilen zu können.
  • Bei Kindern unter drei Jahren. Hier sind zum einen Krankheiten oft schwerer zu erkennen, zum anderen sollten fiebernde Kinder ohne klare Krankheitszeichen immer dem Arzt vorgeführt werden.
  • Bevor Sie zum Arzt gehen oder ihn telefonisch konsultieren. Oft hilft es dem Arzt, wenn er weiß, ob ein bestimmtes Krankheitsbild mit Fieber verläuft oder ohne.

Wie messen?

Wenn Sie sich entscheiden, die Temperatur zu prüfen, so reicht „Fühlen“ nur bedingt aus: Denn während des Fieberanstiegs verengen sich die Blutgefäße der Haut und lassen daher weniger Wärme in die Haut dringen, beim Fieberabfall passiert das Umgekehrte – mit dem Handauflegen liegen Sie also oft daneben.

Zur genaueren Messung stehen heute verschiedene Thermometer zur Verfügung. Die genaueste Messmethode ist die rektale Messung, also die Messung im Po (Rektaltemperatur). Diese Art der Messung gibt die Innentemperatur des Körpers (Körperkerntemperatur) am besten wieder.

Aber auch in der Achselhöhle (axilläre Messung) oder unter der Zunge (sublinguale Messung) kann die Temperatur mit ausreichender Zuverlässigkeit gemessen werden. Sie müssen dann allerdings zu der gemessenen Temperatur jeweils etwa ein halbes Grad dazuzählen, um einen der rektalen Temperatur vergleichbaren Wert zu erhalten. Am einfachsten, aber auch am teuersten und leider nicht immer 100%ig zuverlässig, ist die Messung im Ohr (aurikuläre Messung).

Da die Körpertemperatur durch körperliche Anstrengung um bis zu 1 °C ansteigen kann, sollte man vor dem Fiebermessen am besten eine halbe Stunde ruhen. Auch zu warme Kleidung kann – vor allem bei kleinen Kindern – die Temperatur erhöhen, und zwar um bis zu 0,5 °C.

So geht’s praktisch:

  • Rektal: Spitze des Thermometers mit etwas Vaseline, einer anderen Hautcreme oder auch einfach nur mit etwas Leitungswasser gleitfähig machen und vorsichtig so weit einführen, dass zumindest der Messkonus sicher im After steckt.
  • Unter der Zunge: Thermometerspitze bei geschlossenem Mund mehrere Minuten lang still unter der Zunge parken (am besten seitlich unter dem Zungenrand).
  • In der Achselhöhle: Thermometerspitze von vorn in die Achselhöhle klemmen, still halten. Die Messung unter der Achsel dauert von allen Messarten am längsten – bis zu 10 Minuten. Alternativ kann in der Leiste gemessen werden.
  • Im Ohr: Messhülle auf den Messkopf stecken (gilt nicht für jedes Modell). Messkopf sanft in den Gehörgang halten – Messkopf sollte dicht sitzen ohne zu drücken oder weh zu tun (dazu am besten die Ohrmuschel etwas schräg nach hinten oben ziehen). Die Messung wird durch Drücken des Messknopfs gestartet.

Selbsthilfe – keine Unterabteilung der Alternativmedizin

Selbsthilfe wird oft mit Wickeln und Hausmitteln gleichgesetzt. Kein Wunder, dass die Selbsthilfe oft als Unterabteilung der „alternativen“ Verfahren gesehen wird.

Das allerdings ist ein gründliches Missverständnis. Denn obwohl Selbsthilfe die Eigenversorgung mit Hausmitteln und Selbstmedikation einschließt, stellt sie ein weitaus umfassenderes Konzept dar: Medizinische Selbsthilfe passiert überall dort, wo wir durch eigene Initiative für unsere Gesundung und Gesunderhaltung sorgen. So gesehen stehen im Zentrum der Selbsthilfe nicht nur die Hausmittel, sondern genauso Bewältigungs- und Lebensstrategien. Das hat einer der Vordenker der Selbsthilfe, Pfarrer Kneipp, schon vor 150 Jahren erkannt: Seine Empfehlungen zu den Anwendungen von Güssen, Bädern und Wickeln bettete er in ein Konzept der umfassenden, alltäglichen Gesundheitsvorsorge.

Die Selbsthilfe ist die Grundlage vieler erfolgreicher Therapien und wird heute auch zunehmend von der Schulmedizin genutzt – z. B. im Rahmen der Selbstkontrolle bei chronischen Erkrankungen oder bei der Bewegungstherapie. Viele Ärzte sind der Meinung, dass die modernen schulmedizinischen Therapien letzten Endes nur dann erfolgreich sein können, wenn sie vom Patienten als „Eigentum“ betrachtet (internalisiert) werden, d. h. aus eigener Motivation im Alltag umgesetzt werden.

Selbsthilfe: Den Alltag meistern

Auf den ersten Blick scheint das paradox: Obwohl in den reichen Ländern immer mehr professionelle Therapeuten um Patienten werben, erlebt das Konzept der Selbsthilfe einen Boom. Das hat gute Gründe:

  • Die heutigen Gesundheitsprobleme – von Übergewicht bis Depression – entstehen im ganz normalen Alltag: Sie haben damit zu tun, wie wir arbeiten, was wir essen, wie viel wir uns bewegen. Die Rundumversorgung durch Gesundheitsexperten ist da keine ausreichende Antwort mehr. Wenn jemand dafür sorgen kann, dass wir unsere Gesundheit nicht aus den Augen verlieren, dann nur wir selbst.
  • Der Gesundheitsmarkt ist heute von vielen unterschiedlichen, teils sehr widersprüchlichen Denkschulen geprägt. Wirtschaftliche Interessen spielen eine immer größere Rolle. Ein besseres Verständnis von Gesundheit und Krankheit hilft, die Autorität der „Experten“ (die oft genug auch Verkäufer sind) immer wieder zu hinterfragen.
  • Durch die Selbsthilfe schaffen wir elementare Verbindungen zu unserem eigenen Körper. Das fühlt sich nicht nur gut an, sondern mobilisiert auch Eigenkräfte. Die Forschung zeigt ganz klar: Wer aktiv nach Auswegen sucht und sich selbst „einbringt“, wird schneller gesund. Insofern ist Sich-selber-Helfen ein erster Schritt zur Gesundung.
  • Selbsthilfe ist auch ein Gebot des Wandels im Gesundheitssystem: Die Leistungen der Versicherungen werden immer mehr auf schwerwiegende Krankheiten konzentriert. Vorsorge und die Hilfe bei Bagatellerkrankungen werden zunehmend der Verantwortlichkeit des Patienten überlassen. Sich mit Selbsthilfe, Selbstmedikation und eigenverantwortlicher Vorsorge auszukennen bedeutet also auch ein finanzielles Plus.

Selbstuntersuchungen

Halsuntersuchung

Bei Halsschmerzen ist oft schon ein Blick in den geröteten Rachen eindeutig. Vor dem Spiegel lässt sich eine Halsuntersuchung bei geeigneter Beleuchtung selbst durchführen, ansonsten kann ein Partner mit einer Taschenlampe helfen.

Öffnen Sie den Mund weit. Strecken Sie die Zunge heraus und sagen Sie laut „Aaaaah“. Besonders Kinder können den Mund manchmal nicht weit genug aufmachen. Nehmen Sie einen Löffel zu Hilfe – drücken Sie mit dem Griff die Zunge nach unten, bis Sie zumindest die Rachenmandeln sehen.

Untersuchung auf Austrocknung (Dehydrierung)

Verliert ein Mensch zu viel Flüssigkeit, etwa bei Erbrechen oder Durchfall, oder trinkt er zu wenig, so kann man dies an äußeren Anzeichen erkennen:

Austrocknung der Schleimhäute. Zunächst werden die Lippen trocken, dann auch die Schleimhäute – die Zunge wird „stumpf“, später sogar borkig, der Speichel „klebt“.

Ausscheidung. Wer ausgetrocknet ist, lässt weniger Wasser. Der Urin ist konzentriert (dunkelgelb bis braun) und brennt mitunter beim Wasserlassen.

Stehende Hautfalten. In einem späteren Stadium ist auch die Haut so stark ausgetrocknet, dass eine „zusammengezwickte“ Hautfalte stehen bleibt. Das Zeichen ist aber recht unzuverlässig, da die Hautfalten gerade bei älteren Menschen manchmal auch bei normalem Wasserhaushalt nicht verstreichen.

Weitere Zeichen sind zunehmende Schlappheit und Schläfrigkeit, fehlende Tränen (bei Kindern) und ein rascher Puls mit zunehmender Kreislaufschwäche.

Bauchuntersuchung

Hinter Bauchschmerzen steckt meist nichts Gefährliches. Oft ist nur der Darm gebläht oder durch Verstopfung gedehnt. Dies zeigt sich durch krampfartige Schmerzen – und die sind praktisch immer gutartig. Es gibt jedoch auch Bauchschmerzen, die eine ernstzunehmende Ursache haben, hier ist dann meist das Bauchfell (die innere Auskleidung des Bauchraums) entzündet – wie etwa bei einer fortgeschrittenen Blinddarmentzündung oder einem Darmverschluss. Solche – gefährlicheren – Ursachen von Bauchweh lassen sich durch sorgfältige Beobachtungen erkennen. Eine Beteiligung des Bauchfells ist anzunehmen, wenn:

  • Bauchschmerzen nicht nachlassen, sondern sich von der Mitte des Bauches in den rechten Unterbauch verschieben (oft bei Blinddarmentzündung).
  • Nur eine bestimmte Stelle des Bauches weh tut und immer schmerzhafter wird.
  • Das Hüpfen auf einem Bein Schmerzen im Bauchraum bereitet oder gar nicht mehr möglich ist. Auch Husten oder Pressen verstärkt dann oft den Schmerz.
  • Das Gehen dem Bauch wehtut oder nicht mehr möglich ist.
  • Sich der Bauch beim Betasten hart anfühlt und das Eindrücken schmerzhaft ist.

Dies können Sie auch zu Hause testen. Lassen Sie den Kranken entspannt auf dem Rücken liegen, die Arme liegen neben dem Körper (Hände neben den Hüften). Legen Sie Ihre (warmen) Hände auf den Bauch und tasten Sie mit leichtem Druck und gestreckten Fingern „in den Bauchraum hinein“.

  • Normalerweise ist der Bauch in allen Bereichen (rechts oben, links oben, rechts unten, links unten) weich. Setzt er Ihnen Widerstand entgegen, weist dies auf eine Entzündung des Bauchfells hin – ebenso, wenn das Eindrücken an einer bestimmten Stelle extrem weh tut.
  • Und ein weiteres Zeichen ist der Loslassschmerz: Wenn Sie den Bauch eingedrückt haben, lassen Sie blitzartig los. Das tut normalerweise nicht weh. Spürt Ihr Patient dabei einen scharfen Schmerz, so kann auch das ein Zeichen für eine Beteiligung des Bauchfells sein. Und bei einem solchen Verdacht heißt es immer: Sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus.

Vermutete Ohrentzündung

Hier hilft der so genannte Tragusdruck, mit dem Sie Entzündungen im Ohr feststellen können: Drücken Sie mit dem Zeigefinger auf das kleine vordere Läppchen am Ohr, den so genannten Tragus. Normalerweise tut das nicht weh. Ist jedoch der Gehörgang (Otitis externa) oder das Mittelohr (Otitis media) entzündet, so tut der Druck scheußlich weh.

Puls fühlen

Eine routinemäßige Pulskontrolle zu Hause ist nicht erforderlich – wenn Ihr Arzt eine Erkrankung vermutet, die eine regelmäßige Pulskontrolle erfordert, wird er Sie informieren.

Am besten messen Sie an der Speichenarterie (Arteria radialis; sie verläuft an der Innenseite des Handgelenks auf der dem Daumen zugewandten Seite). Suchen Sie den Puls mit locker aufgesetztem Zeigefinger. Messen Sie 30 Sekunden lang und verdoppeln Sie dann den Wert, um den Pulsschlag pro Minute zu erhalten.

Auch an der Halsschlagader kann der Puls gemessen werden, dabei sollte jedoch immer nur auf einer Seite gemessen werden (beidseitiger Druck auf die Halsschlagader kann bei manchen Menschen durch den so genannten vasovagalen Reflex die Hirndurchblutung einschränken).

Von Hausmitteln zu OTC-Präparaten

Unsere Vorfahren haben über die Jahrhunderte einen Schatz von Heilmethoden zusammengetragen, mit dem auch medizinische Laien die Beschwerden alltäglicher Erkrankungen lindern können. Diese traditionellen Hausmittel umfassen physikalische Maßnahmen wie Wickel oder Wasseranwendungen, aber auch Ernährungsregeln (von der Schonkost bis zum Fasten) und natürlich Medikamente.

Letztere wurden bis vor 150 Jahren zum großen Teil von Ärzten und Apothekern selbst zubereitet und basierten vor allem auf der Kräutermedizin. In jüngster Zeit haben sich die Möglichkeiten der Selbstmedikation – des selbstverantwortlichen Erwerbs und der Einnahme von Arzneimitteln – stark erweitert: Von den etwa 30 000 Arzneimitteln, die in Deutschland derzeit angeboten werden, sind etwa 6 000 ohne Rezept zu erwerben – seit 2004 dürfen die meisten dieser Medikamente nicht einmal mehr auf Kassenrezept verordnet werden. Die Mehrzahl dieser so genannten OTC-Präparate (von over the counter – „über den Ladentisch“) können nur in Apotheken erworben werden (man spricht von „apothekenpflichtigen Arzneimitteln“), andere sind auch in Drogerien erhältlich. Zu den OTC-Präparaten gehören etwa die Schmerzmittel Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen.

Zudem drängen seit Jahren immer mehr – rechtlich den Nahrungsmitteln zugerechnete – Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. Im Gegensatz zu den OTC-Präparaten können Letztere auch im Supermarkt erworben werden, auch wenn die darin enthaltenen Wirkstoffe (von Pfefferminze bis Ingwer) eindeutig arzneiliche Wirkung haben.

Wo sind die Grenzen der Selbsthilfe?

„Wer in der Lage ist, einen Reifen zu wechseln, kann noch lange kein Getriebe zerlegen.“ Das gilt auch für die Selbsthilfe. Deshalb:

  • Setzen Sie bei schweren Erkrankungen Hausmittel nur unterstützend und nach Absprache mit dem Arzt ein.
  • Machen Sie sich vor Beginn der häuslichen Behandlung ein Bild: Wie krank bin ich bzw. wie krank ist mein Kind? Zögern Sie nicht, einen Arzt aufzusuchen, sofern Sie sich „richtig krank“ fühlen oder Sie sich keinen Reim auf Ihre Beschwerden bzw. die Ihres Kindes machen können.
  • Wenn die Eigenbehandlung nicht anschlägt, wenden Sie sich an einen Arzt.
  • Auch wenn es Ihnen nach einer Eigenbehandlung schlechter anstatt besser geht, sollten Sie spätestens am nächsten Tag den Arzt aufsuchen.

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